Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Das KZ Neuengamme 1938 bis 1945 und seine Nachgeschichte

Hier finden sich die wichtigsten Themenbereiche aus der Hauptausstellung „Zeitspuren“. Die Texte sind ergänzt durch Fotos und Medienhinweise. Einige Medien können direkt am Rechner eingesehen werden, bei anderen ist eine Signatur angegeben. Diese analogen Medien befinden sich in der Bibliothek im hinteren Raum der Lernwerkstatt.

Das KZ Neuengamme 1938 - 1945

Das KZ Neuengamme wurde 1938 als Außenlager des KZ Sachsenhausen gegründet und im Frühjahr 1940 selbständig. Die Häftlinge sollten Ziegel für die NS Großbauten in Hamburg herstellen. Die ersten Häftlinge kamen aus Sachsenhausen, die ersten Wachposten aus Buchenwald. 1940/41 wurde in Barackenbauweise das Häftlingslager errichtet, das 1943 bis 1945 auch durch massive Steingebäude erweitert wurde. Angrenzend an das Häftlings- und das SS-Lager entstanden bis 1945 immer mehr Wirtschaftsbetriebe.

Die Häftlingsgruppen – Europa in Neuengamme

Im KZ Neuengamme waren weniger deutsche Häftlingsgruppen und überwiegend Menschen aus den besetzten Ländern Europas inhaftiert. Der Anteil der ausländischen Häftlinge betrug 90 %. Ab 1942 kamen zunehmend in Deutschland verhaftete Zwangsarbeiter*innen ins KZ Neuengamme. Im letzten Kriegsjahr stieg die Zahl der Einlieferungen auf über 50 000. Weit mehr als die Hälfte von ihnen kam aus Osteuropa, aber auch Franzosen, Niederländer, Belgier und Dänen stellten große nationale Häftlingsgruppen.

Alltag und Arbeit

Die SS empfing neue Häftlinge mit besonderer Brutalität, um sie bereits bei der Ankunft seelisch zu brechen und zu demoralisieren. Das Lagerleben wurde durch viele kaum einzuhaltende Ordnungsvorschriften reglementiert. Bei Verstößen drohten offizielle Lagerstrafen wie Torstehen und Arrest sowie willkürliche Misshandlungen. Die mangelhafte Ernährung und Kleidung führte bei den meisten Häftlingen zu raschem körperlichen Verfall. In den überfüllten Unterkünften gab es weder Privatsphäre noch Erholung.

Selbstbehauptung, Kultur und Widerstand

Im täglichen Existenzkampf suchten die Häftlinge Halt in Freundschaften. Geistige und religiöse Betätigungen waren Zeichen der Selbstbehauptung. Dies galt auch für die wenigen kulturellen Aktivitäten wie Zeichnen und Schnitzen, Gespräche über Literatur, Vortragen von Gedichten und Liedern. Auch Musik und Fußball waren 1943/44 zeitweise einigen besser gestellten Häftlingen gestattet. Der Empfang und der Versand Briefen waren nur begrenzt und unter Zensur gestattet.

Vernichtung und Tod

Im KZ Neuengamme starben die meisten Häftlinge durch Hunger und Kälte, mangelhafte Unterbringung und Hygiene, Misshandlungen und überanstrengende Arbeit. 1942 führte die SS im Lager öffentliche Erhängungen als Strafe ein. Auch Polizei und Justiz nutzten das KZ als Hinrichtungsstätte. Die Toten wurden in der Regel verbrannt. Anfangs geschah dies im städtischen Krematorium auf dem Ohlsdorfer Friedhof, ab 1942 verfügte das KZ Neuengamme über ein eigenes Krematorium.

Die Außenlager

Das Rüstungsministerium und die Industrie forderten ab 1942 verstärkt den Einsatz von KZ-Häftlingen als Arbeitskräfte. Daraufhin entstanden in der Nähe von Produktionsstätten und Baustellen zahlreiche Außenlager, die meisten im letzten Kriegsjahr. Bis 1945 existierten 87 Außenlager des KZ Neuengamme, in denen die KZ-Häftlinge für Wirtschaft, Wehrmacht, Staat und SS arbeiten mussten. Im März 1945 waren in den Außenlagern ca. 28.000 Männer und über 12.000 Frauen inhaftiert.

Das Ende

Ab Sommer 1944 begann die SS, frontnahe Konzentrationslager zu räumen. Die Häftlinge und kriegswichtige Produktionsanlagen wurden ins Reichsinnere verlegt, wo zahlreiche neue KZ-Außenlager entstanden. Als im Frühjahr 1945 auch die KZ im Reichsinnern geräumt wurden, standen kaum noch Ausweichlager zur Verfügung. Trotzdem versuchte die SS, die Häftlinge möglichst lange unter ihrer Kontrolle zu behalten. Die Auflösung des Neuengammer Lagerkomplexes begann am 24. März 1945.

Weiterleben nach der Befreiung

Die Befreiung aus den Konzentrationslagern erfuhren die Überlebenden auf unterschiedliche Weise. Viele litten an den Folgen der KZ-Haft und wurden in Krankenhäusern versorgt. Bevor die nach Deutschland Verschleppten in ihre Heimatländer zurückkehren konnten, wurden sie zunächst als „Displaced Persons“ in Lagern untergebracht. Viele Überlebende wollten in die USA oder nach Palästina emigrieren. Ehemalige Häftlinge bildeten Lagergemeinschaften und Verfolgtenverbände und forderten Entschädigung.

Nachnutzung des Geländes

Am Abend des 2. Mai 1945 erreichten britische Soldaten das KZ Neuengamme. Noch im selben Monat wurden ehemalige sowjetische Zwangsarbeiter*innen aus dem Hamburger Raum dort untergebracht und versorgt. Gleichzeitig wurden in andere Teile des Lagers deutsche Kriegsgefangene eingewiesen. Internierte Waffen-SS-Angehörige und Zivilist*innen kamen hinzu. 1948 übernahm die Stadt Hamburg das britische Internierungslager und nutzte das Gelände für den Strafvollzug.

Formen des Erinnerns

Das Gedenken an die Toten der Konzentrationslager war in den ersten Nachkriegsjahren ein zentrales Anliegen. Zu Gedenkfeiern auf dem Ohlsdorfer Friedhof kamen bis zu 20.000 Menschen. Parteipolitische Auseinandersetzungen im Kalten Krieg markierten 1949 den Wendepunkt dieser Gedenkpraxis. Das ehemalige KZ-Gelände war für Überlebende und Angehörige wegen der Gefängnisnutzung unzugänglich. Nur auf Druck aus dem Ausland errichtete die Stadt Hamburg dort 1953 eine erste schlichte Gedenksäule.

Übersicht zu den Ereignissen 1938-1945

Eine chronologische Übersicht über die wichtigsten Ereignisse im KZ Neuengamme von 1938 bis 1945.

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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Kontakt

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