Die Räumung des Hauptlagers

Das Stammlager, aus dem am 20. April 1945 über 4000 skandinavische Häftlinge mit den „Weißen Bussen“ gerettet und anschließend nahezu 10 000 Häftlinge mit Güterzügen nach Lübeck gebracht wurden, diente bis zuletzt als Hinrichtungsstätte. Am 21. und 23. April ermordete die SS 58 Männer und 13 Frauen, die aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel zur Exekution überstellt worden waren. Zwanzig im KZ Neuengamme zu „medizinischen“ Experimenten missbrauchte Kinder wurden zur Ermordung in das geräumte Außenlager Bullenhuser Damm gebracht. Zugleich musste ein ca. 700 Mann starkes Restkommando in den letzten Apriltagen das Lager herrichten. Gezielt ließ die SS die Spuren der Verbrechen verwischen. Die Akten wurden verbrannt, Baracken von Stroh und Unrat gereinigt und Prügelbock und Galgen beseitigt. Die letzten Häftlinge und SS-Leute verließen das Lager am 2. Mai 1945.

„Die Alliierten dringen immer weiter vor. Vor Bremen, östlich und westlich Hannover haben sie die Elbe erreicht. Was wird mit uns geschehen? Die phantastischen und widersprechendsten Gerüchte und Meinungen gehen um. – Wird man uns evakuieren? – Es wäre nichts sinnloser als die Weiterführung des Krieges selbst; wird man uns vernichten? – Früher hielt man es für wahrscheinlich, heute wollen es nur Vereinzelte glauben. Werden eines Tages die Panzer einrollen und die SS verschwunden sein? Wird man uns formell übergeben? – Wer könnte diese Fragen beantworten?“

Tagebuch von Paul Weissmann, abgefasst im Mai 1945.

Rettung mit Hilfe der „Weißen Busse“

Im März 1945 wurde das KZ Neuengamme zum Sammelpunkt für alle in Deutschland inhaftierten norwegischen und dänischen Gefangenen. Die Einrichtung des „Skandinavierlagers“ war ein Zugeständnis des Reichsführers SS an den Vizepräsidenten des Schwedischen Roten Kreuzes, Graf Folke Bernadotte, als Vorleistung für erhoffte Kontakte zur britischen Regierung, mit der Himmler zur Abwendung einer totalen Niederlage einen Waffenstillstand aushandeln wollte. Nachdem schon zuvor Kranke mit den „Weißen Bussen“ nach Schweden transportiert worden waren, konnten am 20. April über 4000 skandinavische Häftlinge das KZ Neuengamme verlassen.

Schwarz-Weiß-Foto der „Weiße Busse“ des Dänischen Roten Kreuzes im Basislager Friedrichsruh
virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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