Die Behandlung der Kranken und Geschwächten im Hauptlager

Die körperliche Auszehrung führte zu zahlreichen Krankheiten. Es war für die Häftlinge jedoch schwierig, im Krankenrevier Aufnahme zu finden. Selbst für Schwerkranke und Verletzte standen zu wenige Betten und Medikamente zur Verfügung. Bis Ende 1941 durften inhaftierte Ärzte nicht im Krankenrevier arbeiten. 1942/43 musste jeder, der länger krank war, fürchten, mit Injektionen getötet zu werden. Die stark geschwächten Häftlinge, die die SS wegen Arbeitsunfähigkeit aus den Außenlagern ins Hauptlager zurückverlegte, wurden in „Schonungsblocks“ einquartiert. Dort herrschten grauenvolle Zustände und eine sehr hohe Sterblichkeit.

Umgang mit Geschwächten

Die Lebens- und Arbeitsbedingungen führten dazu, dass ein großer Teil der Häftlinge sehr geschwächt war. Kranke, die sich nicht erholten, wurden ausgesondert und in andere Lager abgeschoben oder durch Injektionen getötet. Die Mehrzahl der „Muselmänner“ – so der Lagerausdruck für die geschwächten, nicht mehr arbeitsfähigen Häftlinge – starb an Hunger, Entkräftung und unbehandelten Erkrankungen. Ab Herbst 1944 entwickelte sich das Hauptlager immer mehr zu einem Sterbelager für die stark ansteigende Zahl der Häftlinge, die arbeitsunfähig aus den Außenlagern zurückgebracht wurden. Schwerkranke, Sterbende und Tote lagen ohne Pflege in „Schonungsblocks“ – oft drei und mehr dicht gedrängt neben- und übereinander in einer Bettstelle. Die meisten Häftlinge litten an Magen- und Darmkrankheiten.

Krankenversorgung und medizinische Experimente

Die meisten Häftlinge litten an Magen-Darm-Erkrankungen, viele an Hungerödemen, Tuberkulose, Wundentzündungen und Verstümmelungen. Anfang 1942 musste das Lager wegen einer Flecktyphusepidemie unter Quarantäne gestellt werden. Wie ein Häftling im Krankenrevier behandelt wurde, hing von seiner Stellung im Lager ab. Für die meisten gab es kaum medizinische Hilfe. Viele Bedürftige wurden von der SS vor dem Revier abgewiesen. Medikamente waren rar. Für Verbände wurde Krepppapier benutzt. Die Betten waren oft mit mehreren Patienten belegt. Ansteckende Kranke wurden nicht ausreichend isoliert. Bis Ende 1941 durften Häftlinge, die von Beruf Arzt waren, nicht im Revier arbeiten. SS-Ärzte führten im Revier Experimente an Häftlingen durch, unter anderem mit Tuberkulose-Bazillen. Manchmal konnten Krankenpfleger besonders drangsalierte Häftlinge aber durch Aufnahme ins Krankenrevier auch schützen.

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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