Zeittafel 1942

1942

Januar bis März
Der Flecktyphusepidemie fallen Hunderte von Menschen zum Opfer, allein 477 sowjetische Kriegsgefangene. Es gibt kaum Medikamente. Die SS-Leute werden geimpft, von den Häftlingen dagegen nur 170 Fachkräfte, die für die Bauarbeiten am Klinkerwerk benötigt und in der alten Ziegelei untergebracht werden. Erst im Februar beginnt die Lagerführung, die Unterkünfte und sämtliche Kleidungsstücke mit Zyklon-B zu behandeln, um der Läuseplage Herr zu werden. Am 31. März wird die Quarantäne aufgehoben. Die Kommandos nehmen die Arbeit wieder auf.

Januar
Erstmals Tötung entkräfteter Häftlinge mit Spritzen.

Februar
Das Hamburger Tropeninstitut erprobt neue Medikamente gegen Flecktyphus an KZ-Gefangenen im Neuengamme.

Anfang April
Mehrere hundert Häftlinge werden ins KL „Arbeitsdorf” beim Volkswagenwerk in „K.d.F.-Stadt” (dem heutigen Wolfsburg) geschickt, das dem Kommandanten von Neuengamme untersteht.

6. April
Senkung der Ernährungsrationen.

etwa April
Besuch einer SS-Ärztekommission, die mehrere hundert Häftlinge auswählt und zur Ermordung durch Giftgas nach Bernburg / Saale schickt. Es handelt sich vor allem um Geschwächte, um Menschen mit Beeinträchtigungen und um Juden. Außerdem töten Neuengammer SS-Ärzte und -Sanitäter im Abstand von einigen Wochen entkräftete und langfristig kranke Häftlinge mit Spritzen, um Platz im Krankenrevier zu schaffen.

April und Mai
Beginn der Häftlingsarbeit in Rüstungsbetrieben (Jastram, Messap). ab Frühjahr Einlieferung sowjetischer Zwangsarbeiter in schnell steigender Zahl. Es handelt sich meist um Menschen, die durch den forcierten Einsatz von Ostarbeitern in der Wirtschaft nach Deutschland gebracht wurden; bei Verstößen gegen die harten Arbeitsbestimmungen, bei Fluchtversuchen oder aus anderen Gründen werden sie ins KZ gesperrt. Sie bilden schon bald die größte nationale Gruppe in Neuengamme.

Ende Juni
Von den 1000 sowjetischen Kriegsgefangenen in den abgezäunten Baracken leben noch 348. Sie werden nach Sachsenhausen verlegt.

Juni und Juli
Einlieferung von 15 luxemburgischen Wachsoldaten, die sich geweigert hatten, zusammen mit der deutschen Polizei in Slowenien auf Partisanen zu schießen.

Mitte 1942
Wegen der vielen Toten und der Abtransporte ist die Lagerbelegung auf etwa 3000 zurückgegangen.

Juni bis September
3 Transporte mit insgesamt 700 Arbeitsunfähigen nach Dachau.

15. Juli
Inbetriebnahme des neuen Klinkerwerks (westliche Hälfte).

August
13 sowjetische und polnische Krankenschwestern im Arrestbunker erhängt.

Ende August
150 Häftlinge werden zu den Phrix-Werken nach Wittenberge geschickt; Gründung des ersten Außenlagers des KZ Neuengamme bei einem Industriebetrieb.

2. Halbjahr 
Ca. 6800 Häftlinge von der Gestapo und aus anderen Konzentrationslagern eingeliefert.

1. September
Pauly neuer Kommandant (vorher KL Stutthof); in den ersten beiden Monaten läßt er sich vom bisherigen Adjutanten Baer vertreten, der später Kommandant in Auschwitz wird.

Ende September
197 sowjetische Kriegsgefangene aus Kriegsgefangenenlagern in der Lüneburger Heide werden im Arrestbunker mit Giftgas getötet.

ab September
Die Häftlinge dürfen sich von Angehörigen Pakete schicken lassen.

Mitte Oktober 
1000 Häftlinge werden als „2. SS-Baubrigade” nach Bremen und Osnabrück (später zeitweise Wilhelmshaven, ab August 1943 Hamburg) geschickt, um in bombardierten Vierteln Bomben zu entschärfen, Leichen zu bergen und Trümmer zu beseitigen.

September und Oktober
Alle jüdischen Häftlinge werden nach Auschwitz transportiert.

Oktober und November
250 Häftlinge werden zu den Reichswerken Hermann Göring nach Drütte (Watenstedt-Salzgitter) geschickt (Gründung eines Außenlagers), bis zum Frühjahr 1943 folgen etwa weitere 1500.

Ende November
251 sowjetische Kriegsgefangene, überwiegend Kriegsversehrte, werden im Arrestbunker mit Giftgas getötet.

Ende 1942
Stand der Einweisungsnummern: etwa 13.400. Insgesamt 3140 Tote verzeichnet (einschl. Außenlager). Winter 1942/43 Die Todesrate steigt auf 10 Prozent pro Monat. Weil es nicht genügend KZ-Häftlinge als Arbeitskräfte gibt, befiehlt Himmler, die Lebensverhältnisse und die Behandlung in den Konzentrationslagern etwas zu verbessern. ab Ende 1942 Abschiebung von Hunderten von Justizgefangenen mit hohen Haftstrafen aus ganz Norddeutschland ins KZ Neuengamme. (Vorher gab es solche Abschiebungen auch schon in kleinerer Zahl.) Im April 1943 werden viele von ihnen in einer mehrwöchigen Aktion bei der Arbeit erschlagen oder über die Postenkette geprügelt („Erschießung auf der Flucht”).

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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Kontakt

E-Mail: lernwerkstatt@gedenkstaetten.hamburg.de
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