Rathausausstellungen

Anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus führt die KZ-Gedenkstätte Neuengamme jedes Jahr im Januar eine Ausstellung im Hamburger Rathaus durch. In der nachfolgenden Übersicht sind die Ausstellungen aufgeführt, die aktuell im Medienindex der Lernwerkstatt Offenes Archiv digital einzusehen sind.

„Zwischen Zwangsfürsorge und KZ“ (Rathausausstellung 2022)

Tausende in Armut lebende und gesellschaftlich unangepasste Menschen wurden im Nationalsozialismus als angeblich „asozial“ verfolgt. Erst 2020 erkannte sie der Deutsche Bundestag als NS-Opfer an. Wer waren diese Frauen und Männer, Jugendlichen und Kinder? Was hatten sie erlitten? Warum blieb ihre Verfolgungsgeschichte jahrzehntelang unbeachtet?

„Überlebt! Und nun?“ (Rathausausstellung 2020)

Im Mai 1945 atmeten Verfolgte des Nationalsozialismus in Zwangsarbeitslagern, Haftstätten und Verstecken in Hamburg auf. Das Kriegsende brachte ihnen die lang ersehnte Freiheit. In Norddeutschland wurden vielerorts Hunderte Häftlinge aus dem geräumten KZ Neuengamme und seinen Außenlagen von britischen Truppen befreit. Die Rückkehr in ein „normales“ Leben war für die Überlebenden oft ein schwieriger Prozess. Nicht für alle bedeutete die Befreiung auch ein Ende der Not.

„Eine Stadt und ihr KZ“ (Rathausausstellung 2019)

Die Hansestadt Hamburg hatte wesentlichen Anteil an der Gründung und am Ausbau des KZ Neuengamme. Nach den schweren alliierten Luftangriffen im Sommer 1943 wurden erstmals Hunderte KZ-Häftlinge zur Leichenbergung und Trümmerräumung im inneren Stadtgebiet eingesetzt.

„Rund um die Alster“ (Rathausausstellung 2018)

Die Ausstellung thematisiert ausgehend von exemplarischen Orten wie Binnen- und Außenalster, Osterbekkanal, Goldbekkanal und Stadtparksee oft nur wenig bekannte Aspekte der Geschichte Hamburgs im Nationalsozialismus: Im Hotel „Atlantic“ hielt Adolf Hitler bereits 1926 eine programmatische Rede vor dem Hamburger Nationalklub von 1919. Im Gebäude des heutigen Generalkonsulats der Vereinigten Staaten residierte die Gauleitung der NSDAP. Am Goldbekkanal bestand ein großes Zwangsarbeitslager.

„Die Hamburger Curiohaus-Prozesse“ (Rathausausstellung 2017)

Das Curiohaus in Hamburg-Rotherbaum war von 1945 bis 1949 der wichtigste Gerichtsort für die Kriegsverbrecherprozesse in der britischen Besatzungszone. Wer waren diese Angeklagten, für welche Verbrechen wurden sie zur Rechenschaft gezogen? Wer waren ihre Opfer?

„Hamburger Fußball im Nationalsozialismus“ (Rathausausstellung 2016)

Die vielfältige Sportbewegung der Weimarer Republik – und mit ihr der Fußballsport – wurde „gleichgeschaltet“: Linientreue Vereinsführer ersetzten die bisherigen Vorsitzenden. Vereinsmitglieder wurden aus rassistischen und politischen Gründen ausgegrenzt und ausgeschlossen und militärischer Drill, sogenannter „Wehrsport“, eingeführt.

„Deportiert ins KZ Neuengamme“ (Rathausausstellung 2015)

Im Zweiten Weltkrieg führten Wehrmacht, SS und Polizei als bewaffnete Organe der deutschen Besatzungsmacht in den besetzten Ländern Europas vielerorts nach angeblichen oder tatsächlichen Anschlägen und anderen Widerstandsaktionen „Vergeltungsmaßnahmen“ durch: Massenerschießungen, Niederbrennen von Ortschaften und Deportation von Teilen der Bevölkerung.

„Euthanasie“ (Rathausausstellung 2014)

Auch in Hamburg gab es zahlreiche Frauen, Männer und Kinder, die dem staatlich organisierten Massenmord, den „Euthanasie“-Verbrechenin der Zeit des Nationalsozialismus, zum Opfer fielen. Aufgrund psychischer Krankheiten, körperlicher Beeinträchtigungen oder weil man sie als „gefährlich“ und „asozial“ einstufte, galten sie als „lebensunwert“.

„Deserteure und andere Verfolgte der NS-Militärjustiz: Die Wehrmachtgerichtsbarkeit in Hamburg“ (Rathausausstellung 2013)

Wehrmachtgerichte ließen während des Zweiten Weltkrieges über 30 000 Soldaten und Zivilisten, Männer und Frauen, auch aus den besetzten Ländern Europas, hinrichten. Wehrmachtgerichte führten allein in Hamburg zwischen 65 000 und 90 000 Verfahren durch. Äußerst schlechte Überlebenschancen hatten auch kriegsgerichtlich abgeurteilte Soldaten, die in das System aus „Bewährungs- und Strafeinheiten gerieten.

„Dokumentation Stadthaus“ (Rathausaustellung 2012)

In der öffentlichen Wahrnehmung nach 1945 stand in erster Linie die Geheime Staatspolizei für die Verbrechen der NS-Gewaltherrschaft. „Vergessen“ wurde über viele Jahre, dass auch andere Abteilungen der Polizei wie die Kriminalpolizei oder die Schutzpolizei Teile des nationalsozialistischen Verfolgungsapparats waren. Die Zusammenarbeit erstreckte sich in Hamburg außerdem auf andere Behörden, kriegswichtige Betriebe und Teile der Bevölkerung.

„Im Fokus: Das KZ Neuengamme und der Ort danach“ (Rathausausstellung 2011)

Während des Krieges wurden von SS-Fotografen im Auftrag verschiedener SS-Ämter Fotos zur internen Dokumentation erstellt. Das KZ Neuengamme erscheint in diesen Fotografien überwiegend als Arbeitsort. Die Lebensbedingungen der Häftlinge werden nicht gezeigt. Die fotografische Spurensuche der britischen Ermittler nach Kriegsende und die überlieferten Häftlingszeichnungen machten das Lagergelände als einen Ort von Verbrechen „sichtbar“.

„Die Freiheit lebt!“ (Rathausausstellung 2010)

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wurde von einem erheblichen Teil der Bevölkerung begrüßt. Wer zum Nationalsozialismus in Opposition stand, befand sich schon deshalb in einer sehr schwierigen Situation. Von Beginn an gingen die Nationalsozialisten mit Verboten, Verhaftungen und Terror rücksichtslos gegen Oppositionelle vor. Es entstanden in allen Hamburger Stadtteilen, in Betrieben und Vereinen, teils auch in religiösen Gemeinschaften, Widerstandsgruppen.

„...dass wir es verstanden haben, in dem fürchterlichen Kampf Frauen zu bleiben.“ (Rathausausstellung 2004)

Am 15. Januar 1945 waren insgesamt 714.211 KZ-Häftlinge registriert, unter ihnen 202.674 Frauen, also ein Viertel aller Häftlinge. Das 1938 errichtete Konzentrationslager in Hamburg–Neuengamme war seit 1942 um verschiedene Außenlager im norddeutschen Raum erweitert worden. Die meisten der insgesamt mehr als 80 Außenlager entstanden im letzten Kriegsjahr. 24 Lager davon wurden für zumeist jüdische Frauen eingerichtet, acht von ihnen befanden sich im Hamburger Stadtgebiet und in Wedel.

„Konzentrationslager Fuhlsbüttel - ein Ort der Willkür und Gewalt“ (Rathausausstellung 2003)

Als Konzentrationslager Fuhlsbüttel („KoLaFu“) wurden ab März 1933 einige Gebäude der Fuhlsbütteler Strafanstalten genutzt. SA und SS inhaftierten dort politische Gegner*innen des Naziregimes. Ab Dezember 1933 wurde „KoLaFu“ zu einem Gefängnis der Hamburger Staatspolizei. Über 200 Häftlinge kamen im KZ Fuhlsbüttel ums Leben. Sie starben an den Folterungen durch die Gestapo, Misshandlungen durch die SA- und SS-Wachmannschaften, wurden erschlagen, erdrosselt oder in den Tod getrieben.