Die Experimente

Ärzte nutzten die Möglichkeiten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, um medizinische Versuche an entrechteten Menschen durchzuführen. Der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, förderte solche Experimente in den Konzentrationslagern. Ab Juni 1944 konnte der Arzt Dr. Kurt Heißmeyer in einer eigens für ihn eingerichteten Sonderabteilung im KZ Neuengamme an Häftlingen experimentieren. Heißmeyer wollte eine Behandlungsmethode der damals verbreiteten bakteriellen Infektionskrankheit Tuberkulose (Tbc) finden. Er nahm an, dass Tbc, die vor allem die Lungen befällt, durch einen zweiten, künstlich erzeugten Infektionsherd geheilt werden könnte. Diese Theorie war in der Wissenschaft aber bereits als falsch erkannt worden.

Röntgenaufnahme eines Oberkörpers

Heißmeyer glaubte auch, dass „rassisch minderwertige“ Menschen anfälliger für Tbc seien als „rassisch hochwertige“. Heißmeyer infizierte während seiner Versuche bis zu 100 erwachsene Häftlinge, unter ihnen viele sowjetische Häftlinge, mit virulenten, also ansteckenden Tbc-Bakterien. Aufgrund der viel zu geringen Essensrationen im Lager sollen sich Häftlinge mit der Aussicht auf bessere Verpflegung auch freiwillig für die Versuche gemeldet haben. Obwohl sich der Gesundheitszustand seiner Versuchspersonen bis zum Herbst 1944 verschlechtert hatte und viele von ihnen an den Experimenten gestorben waren, forderte Heißmeyer für weitere Versuche zwanzig Kinder aus dem KZ Auschwitz an. Sie kamen am 28. November 1944 im KZ Neuengamme an. Zu ihrer Unterbringung wurde ein Teil der Krankenrevierbaracke IV abgeteilt. Der Bereich vor dem Eingang wurde mit einem hohen Bretterzaun abgetrennt. Auch den Kindern injizierte Heißmeyer Tbc-Bakterien in die Haut oder direkt in die Lunge. Sie bekamen bald hohes Fieber, husteten, wurden matt und schwach. Den anderen Häftlingen im KZ Neuengamme wurde bei Todesstrafe verboten, mit den Kindern zu sprechen. Obwohl die Anwesenheit der Kinder geheim gehalten werden sollte, wussten viele Häftlinge von ihnen.

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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