Frühe Formen des Gedenkens

Erste Gedenkfeiern

In den ersten Nachkriegsjahren riefen Regierung und Parteien der Freien und Hansestadt Hamburg gemeinsam mit den Häftlingsverbänden zu Gedenkfeiern auf dem Ohlsdorfer Friedhof auf, auf dem viele Opfer des NS-Regimes bestattet waren. Im Mittelpunkt der ersten Gedenkfeier stand die Urne eines unbekannten Häftlings aus Buchenwald, die später im zentralen „Mahnmal für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung und des Widerstandskampfes“ beigesetzt werden sollte. Die Einweihung dieses Mahnmals im Jahr 1949 stand im Zeichen des Kalten Krieges: Der Senat verweigerte eine gemeinsame Feier mit der kommunistisch dominierten Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und zog seine Einweihungsfeier auf den 3. Mai vor. Die VVN weihte das Denkmal anlässlich des Jahrestages der Befreiung am 8. Mai ein.

Plakat  mit blau-weiß gestreiftem Hintergrund nach der Häftlingskleidung gestaltet, das einen roten Winkel und den gelben Davidstern sowie darunter ein schwarzes Kreuz zeigt. Die Symbole sind von Stacheldraht durchzogen. Die Schrift auf dem Plakat lautet: „Neuengamme ruft! Zum zehnjährigen internationalen Befreiungstag“.

Wallfahrten nach Neuengamme

Im Ausland wurden Reisen an die Stätten der Konzentrationslager häufig als Wallfahrten (Pèlerinages) verstanden. Neben der Besichtigung des Ortes wurden Lieder gesungen und Gebete gesprochen. Für Überlebende und Angehörige ermordeter Häftlinge hatten das Häftlingslager mit dem Appellplatz als Stätte des Leidens und das Krematorium eine besondere Bedeutung. Am Krematoriumsstandort wird bis heute Erde zur Mitnahme in die Heimat entnommen. Beide Orte waren lange Jahre nicht zugänglich. Die Besucherinnen und Besucher aus dem Ausland überflogen oder umfuhren das Gelände, um einen Blick auf das ehemalige Lager werfen zu können. Der ehemalige Krematoriumsstandort wurde erst 1970 zugänglich gemacht und gekennzeichnet, das Häftlingslager wurde 2003 Teil der Gedenkstätte.

Das erste Denkmal

Keinen Ort des Trauerns und Gedenkens auf dem ehemaligen Lagergelände zu haben, war für viele Überlebende und Angehörige unerträglich. Von offizieller französischer Seite wurde eine Lösung gefordert. Der Zugang zum ehemaligen Krematoriumsstandort und die Errichtung eines Denkmals gewannen in der Auseinandersetzung zunehmend an Bedeutung. Von deutscher Seite blieb der Krematoriumsstandort mit der Begründung versperrt, dieser sei nicht mehr lokalisierbar. Man einigte sich auf die Errichtung eines Denkmals auf dem Gelände der ehemaligen Lagergärtnerei. Es wurde am 18. Oktober 1953 eingeweiht. Auf Drängen der internationalen Lagergemeinschaft nach einem größeren Denkmal ergänzte die Stadt Hamburg die Anlage 1960 durch einen Kubus mit Inschrift.

Schwarz-Weiß-Foto der Einweihung der errichteten Denkmalsäule am 18. Oktober 1953 auf dem Gelände der ehemaligen Lagergärtnerei. Die Säule ist umringt von Besucher*innen.

 

Am 18. Oktober 1953 wurde eine schlichte, sieben Meter hohe Muschelkalksäule eingeweiht. Zunächst war die Erinnerungsstätte noch den französischen Staatsangehörigen zugeeignet. Die Finanzbehörde schlug vor, die Säule allen in Neuengamme verstorbenen Häftlingen zu widmen. Justizsenator Kröger wählte die Inschrift „Den Opfern 1938–1945“. (Foto: ANg)

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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