Alltag und Arbeit

Die SS empfing neue Häftlinge mit besonderer Brutalität, um sie bereits bei der Ankunft seelisch zu brechen und zu demoralisieren. Das Leben im Lager wurde durch eine Vielzahl von kaum einzuhaltenden Ordnungsvorschriften reglementiert. Bei Verstößen drohten nicht nur die offiziellen Lagerstrafen wie Torstehen, Prügelstrafe und Arrest, sondern willkürliche Misshandlungen durch SS-Aufseher und Blockälteste. Die mangelhafte Ernährung und Kleidung führte bei den meisten Häftlingen zu raschem körperlichen Verfall. In den überfüllten Unterkünften gab es keine Privatsphäre und keine Erholung. Wegen der vielen Durchfallkranken und der mangelhaften Hygiene herrschte in den Unterkünften ein furchtbarer Gestank.

Länglich rechteckiger Stoffstreifen mit Häftlingsnummer 7703 in der Mitte. Links davon ein rotes „P“ zur Kennzeichnung von polnischen Häftlingen und rechts von der Häftlingsnummer ein roter Winkel zur Kennzeichnung politischer Häftlinge.
Ankunft und Alltag

Neuen Häftlingen wurde mit Prügeln und Schikanen durch die SS und eine Begrüßungsansprache voller Strafdrohungen demonstriert, was sie erwartete. Bei der Effektenkammer mussten die Gefangenen ihre Kleidung und sonstige Habe abgeben. Nach dem Duschen, der Desinfektion und dem demütigenden Scheren der Kopf- und Schamhaare, erhielten sie Häftlingskleidung und eine Nummer. Sie wurden nur noch mit der Nummer aufgerufen. An einem der ersten Tage wurden sie in der Politischen Abteilung verhört.

Die Arbeit der Häftlinge im Hauptlager

In den ersten Jahren waren die meisten Häftlinge zu Bauarbeiten – an der Dove Elbe, sowie beim Tiefbau- und Transportaufgaben – eingesetzt. Sie arbeiteten, angetrieben von prügelnden Aufsehern, von früh bis abends, gleichgültig, ob es heiß war oder die Gliedmaßen erfroren. Ab 1942 trat zunehmend die Arbeit in Produktionsstätten hinzu, vor allem im Klinkerwerk und in den Rüstungsbetrieben auf dem Gelände des KZ Neuengamme.

Die Behandlung der Kranken und Geschwächten im Hauptlager

Die meisten Häftlinge waren sehr geschwächt. Längerfristig Kranke wurden ausgesondert und in andere Lager abgeschoben oder getötet. Die Mehrzahl der „Muselmänner“ starb an Hunger, Entkräftung und unbehandelten Erkrankungen. Ab Herbst 1944 entwickelte sich das Hauptlager zu einem Sterbelager für die stark ansteigende Zahl der Häftlinge, die arbeitsunfähig aus den Außenlagern zurückgebracht wurden. Schwerkranke und Sterbende lagen ohne Pflege in „Schonungsblocks“.

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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Kontakt

E-Mail: lernwerkstatt@gedenkstaetten.hamburg.de
Telefon: +49 40 428 131 551