Geschichte der Neuengammer Gedenkorte

Das Denkmal Neuengamme

Ein zentrales Ziel der 1958 gegründeten Amicale Internationale de Neuengamme (AIN) war die Errichtung eines großen, eindrucksvollen Denkmals. Nach den Feiern des 15. Jahrestags der Befreiung willigte der Hamburger Senat schließlich ein und akzeptierte 1963 einen Entwurf, für den sich die AIN nach einem Wettbewerb entschieden hatte. Die Hamburger Verfolgtenverbände protestierten gegen ihren Ausschluss von den Verhandlungen und forderten die Hansestadt auf, eigenständig ein schlichteres Denkmal zu finanzieren. Um die Errichtung eines Denkmals nicht weiter zu verzögern, stimmte die AIN dem Hamburger Entwurf zu. Sie bestand aber auf der Realisierung der Bronze „Gestürzter Häftling“, die sie der Stadt Hamburg vor der Einweihung des Denkmals am 7. November 1965 als Geschenk übergab.

Im Gedächtnis der Stadt

Eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit fand in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten kaum statt. In der Hamburger Öffentlichkeit dominierte lange Zeit die Vorstellung, der „hanseatische Geist“ der Stadt habe dazu geführt, dass das politische Klima hier während des Nationalsozialismus „milder“ gewesen sei als anderswo. Entsprechend wenig war über das Konzentrationslager Neuengamme zu erfahren. Die tatsächlichen Geschehnisse wurden fast ausschließlich von den Verfolgten selbst dokumentiert. Erst Ende der 1960er-Jahre setzte allmählich eine Veränderung ein.

Das Dokumentenhaus

Bereits kurz nach der Einweihung des Denkmals 1965 äußerten Überlebende und Besucherinnen und Besucher den Wunsch nach einer Erweiterung der Gedenkanlage. Die Stadt Hamburg lehnte dies zunächst ab. Die Amicale Internationale de Neuengamme und der Arbeitsausschuss Hamburger Verfolgtenorganisationen hielten jedoch an ihrer Forderung fest. Schließlich fasste der Senat 1979 den Beschluss, in Neuengamme ein Dokumentenhaus zu errichten. Mit seiner Eröffnung im Oktober 1981 gab es erstmals auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers eine Ausstellung. Nach der Verlagerung der Ausstellung in die Walther-Werke wurde das Dokumentenhaus 1995 als Haus des Gedenkens neu eröffnet; auf Stoffbahnen sind dort nunmehr die Namen der Toten dokumentiert.

Während viele Bereiche des ehemaligen Konzentrationslagers durch die Gefängnisse und verschiedene Firmen genutzt wurden, verfielen die übrigen Gebäude zusehends. Für ihren Erhalt engagierten sich seit Ende der 1970er-Jahre unterschiedliche Gruppen. Umbau- und Abrisspläne führten in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre zu Protesten von Überlebenden und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Die kritische Diskussion in der Öffentlichkeit des In- und Auslandes zeitigte schließlich Erfolg: 1984 wurden große Teile des ehemaligen KZ-Geländes unter Denkmalschutz gestellt sowie das Klinkerwerk restauriert und so für die Gedenkstätte als Ort des Gedenkens, des Lernens, der Forschung, der Begegnung und der gesellschaftlichen Auseinandersetzung erhalten.

Außenlager als Gedenkorte

Heute gibt es über hundert Gedenkzeichen, die an die Außenlager des KZ Neuengamme oder an die Toten der „Evakuierungsmärsche“ erinnern. In Westdeutschland befanden sich bis in die 1980er-Jahre Gedenksteine vorwiegend auf Friedhöfen; hier handelte es sich um ein Totengedächtnis mit christlicher Sinnstiftung. In Ostdeutschland wurde die Erinnerung an die Toten – dem staatlichen Selbstverständnis entsprechend – zum Gedenken an den „antifaschistischen Widerstandskampf“ umgedeutet. Seit Beginn der 1980er-Jahre erreichten in der Bundesrepublik Bürgerinitiativen, dass die Standorte der Außenlager – oft erst nach jahrelangen Auseinandersetzungen – vielerorts kenntlich gemacht wurden. Damit wandte sich das Gedenken den historischen Orten zu. Auch die Formensprache erweiterte sich und neue künstlerische Arbeiten traten neben das traditionelle steinerne Gedenken.

Die Umgestaltung

989 sicherte der Hamburger Senat die Verlagerung der Justizvollzugsanstalt XII, die sich auf dem Gelände des ehemaligen Häftlingslagers befand, zu. Die Umsetzung dieser Zusage verzögerte sich unter Verweis auf finanzielle Schwierigkeiten und auf Probleme mit dem Gefängnisneubau in Billwerder- Moorfleet. Mit dem Regierungswechsel in Hamburg im September 2001 wurde die Verlagerung erneut infrage gestellt. Nach einer heftigen Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit nahm der neue Senat die Revision des Verlagerungsbeschlusses jedoch zurück. Im Juni 2003 wurde das Areal des ehemaligen Häftlingslagers schließlich der Gedenkstätte übergeben. Mit dem Abriss der Gefängnisbauten begann die Umwandlung des Ortes in eine Gedenkstätte.

Bagger reißen die ehemaligen Gefängnisbauten auf dem Gelände der Gedenkstätte Neuengamme ab
virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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