Zeittafel 1944

1944

Januar bis April
Einlieferung von ca. 4000 Gefangenen durch die Gestapo und aus anderen Lagern.

Januar und März
Zwei Transporte mit vermutlich über 1000 Arbeitsunfähigen nach Lublin-Majdanek. Zweimalige Reduzierung der Rationssätze für Kartoffeln um insgesamt 60 %. Die Brotportion beträgt offiziell noch etwa 350 Gramm, nimmt aber immer weiter ab. Nur die KZ-Gefangenen, die am Arbeitsplatz eine Zulage erhalten (zwei Scheiben Brot) und nicht im Freien arbeiten, haben eine Chance, länger als einige Wochen durchzuhalten.

Mai bis Dezember
Die Einlieferungen steigen ins Ungeheuerliche. 40.000 Menschen werden von Anfang Mai bis zum Jahresende von der Gestapo und aus anderen Lagern ins Konzentrationslager Neuengamme eingewiesen. Fast alle werden in die Außenlager geschickt.

1944
werden etwa 60 neue Außenlager gegründet für:
    - Ausbauarbeiten von Höhlen und Stollen für die unterirdische Verlagerung der Industrie (6 Lager),
    - Arbeit in der Rüstungs- und Kriegsindustrie, zum Teil auch Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen auf Betriebe (über 30 Lager),
    - Arbeiten für die Wehrmacht (8 Lager, davon 6 zum Bau von Panzersperrgräben), - Aufräumarbeiten und Errichtung von Behelfsbauten (über  10 Lager),
    - andere Kommandos (mindestens 3 Lager). Im Hauptlager schwankt die Zahl der Häftlinge wegen der vielen An- und Abtransporte zwischen 10.000 und 12.000.

April und Mai
Errichtung eines Bordells. Frauen aus dem KZ Ravensbrück werden zur Zwangsprostitution nach Neuengamme gebracht.

Ende Juli bis Anfang August
Etwa 500 Kranke werden aus den Revieren 3 und 4 hinausgeworfen, weil die SS dort französische „Sonderhäftlinge” (bekannte Persönlichkeiten) einquartieren will, die z. T. mit ihren Familien hergebracht wurden. Nach einigen Wochen werden diese Franzosen in eine abgezäunte Baracke verlegt. August Hinrichtungen von Menschen, die an der Verschwörung vom 20. Juli beteiligt waren. Einlieferung mehrerer hundert Gestapo-Häftlinge. Sie erhalten einen gelben Winkel und eine Null vor der Nummer als Kennzeichnung.

ab etwa August
Medizinische Versuche des SS-Arztes Heißmeyer mit Tuberkulose-Infektionen an KZ-Gefangenen.

ab September und Oktober
Aus den Außenlagern kommen so viele Entkräftete ins Hauptlager (die Wirtschaftsbetriebe dürfen Arbeitsunfähige gegen neue Arbeitskräfte austauschen), dass die beiden Revierbaracken wieder für Kranke zur Verfügung gestellt und immer mehr Unterkünfte zu „Schonungsblocks” umgewandelt werden müssen. Dort bleiben die entkräfteten Häftlinge sich selbst überlassen. Herbst Baubeginn eines neuen, größeren Krematoriums.

2. Halbjahr
Abtransport einer unbekannten Zahl (Schätzung: mindestens 500) von Arbeitsunfähigen nach Bergen-Belsen im Austausch gegen andere Häftlinge. Die Ernährung und Bekleidung wird immer schlechter.

Dezember 1944 bis Februar 1945
Versuche des Professor Haase mit giftgasverseuchtem Wasser an über 150 Häftlingen. Es treten keine sofort sichtbaren Wirkungen auf, vermutlich bleiben aber längerfristige Gesundheitsschäden zurück.

1944
Mindestens 8000 Tote im Konzentrationslager Neuengamme (einschließlich Außenlager). Außerdem bringt die Gestapo Hunderte von Menschen zur Exekution nach Neuengamme. Ende 1944 Über 48.800 Häftlinge im Konzentrationslager Neuengamme (einschließlich Außenlager, davon etwa 10.000 Frauen).

virtuelle Ausstellungen

Die Hauptausstellung „Zeitspuren“ sowie die übrigen Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme stehen auch in der Mediathek digital zur Verfügung.

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Kontakt

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