Fallersleben-Arbeitsdorf
Außenlagerthemenmappe der Ausstellung "Zeitspuren". Informationstext, Fotografien, Dokumente. Der Aufbau des KZ Arbeitsdorf in Fallersleben beim Volkswagenwerk war ein Versuchsprojekt für die Rüstungsproduktion. Das Konzentrationslager Arbeitsdorf war zunächst kein Außenlager, sondern ein eigenständiges KZ, das ebenfalls von dem Kommandanten des KZ Neuengamme, Martin Weiß, geleitet wurde. Anfang April 1942 wurden die ersten 500 von insgesamt 800 Häftlingen aus dem Stammlager Neuengamme dorthin überstellt. Am 26. April 1942 kamen weitere Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen und am 23. Juni aus dem KZ Buchenwald hinzu, hauptsächlich gelernte Bauarbeiter. Die überwiegend mit der Hand zu verrichtenden Planier-, Rohrlege- und Betonierarbeiten führten zu zahlreichen Unfällen. Mindestens sechs Häftlinge starben; die Eintragungen beim Krematorium Braunschweig lauten auf „Herz- und Kreislaufversagen“, „Unfall“ und „Freitod“. Die Ernährung war jedoch deutlich besser als in den Lagern, aus denen die Männer kamen. Untergebracht waren die Häftlinge in Luftschutzkellern auf Holzpritschen. Mitte Juli 1942 wurde der Posten des Kommandanten dem bisherigen Schutzhaftlagerführer des KZ Neuengamme, Wilhelm Schitli, übertragen. Doch bereits in der ersten Oktoberhälfte 1942 wurde das Lager Arbeitsdorf aufgelöst, weil die vom Volkswagenwerk dort vorgesehene Aluminiumfertigung vom Ministerium für Bewaffnung und Munition nicht genehmigt worden war. Das errichtete Fabrikgebäude wurde später für andere Zwecke genutzt. Im Rahmen der Pläne, KZ-Gefangene zum Nutzen der SS in der Rüstungsproduktion einzusetzen, erwies sich das KZ Arbeitsdorf gleichwohl als ein wichtiges Experiment für die systematische Ausbeutung von KZ-Häftlingen für industrielle Zwecke.
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