Rathausausstellung 2026 - Tafel 02: Geleitwort | Town-hall Exhibition 2026 - Panel 02: Foreword
Dr. Carsten Brosda und Carola Veit Erinnerung bedeutet, der Opfer und Verbrechen des nationalsozialistischen Regimes zu gedenken. Sie bedeutet aber auch, die Strukturen zu erkennen, die Anpassung und Mitwirkung ermöglichten, und daraus Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen. Die Ausstellung »Kultur unter Kontrolle« macht sichtbar, wie eng Kultur, Politik und Verwaltung in Hamburg im Nationalsozialismus verflochten waren. Kultur übernahm für das Regime eine stabilisierende Rolle und wurde zu einem Werkzeug der Ausgrenzung: Im Zusammenspiel mit biologistischen Zuschreibungen definierte sie, welche Menschen in das antisemitische, rassistische oder völkische Weltbild der Nationalsozialisten passten, und sie diente der Unterdrückung und Verfolgung all jener, die es nicht taten. Die Mechanismen dieser »Gleichschaltung« und die so bewirkte Ausgrenzung eines reichen und vielfältigen kulturellen Lebens waren Teil einer Entwicklung, die binnen weniger Jahre im Zivilisationsbruch von Auschwitz gipfelte. »Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei« – das haben wir daher fest in unserem Grundgesetz verankert. Institutionen tragen die Verantwortung, ihre Geschichte zu reflektieren und die freien Künste als Echoräume einer offenen und vielfältigen Gemeinschaft zu verteidigen. Denn wer Kultur gestaltet, gestaltet immer auch die Gesellschaft von heute und morgen.
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